Mark Boyle hat sich dazu entschlossen, ein Jahr ohne Geld auszukommen. Seine Erfahrungen hat er in Der Mann ohne Geld niedergeschrieben. Dabei handelt es sich nicht um einen Mann, der es ohnehin in seinem Leben zu nichts gebracht hat. Sondern Mark Boyle ist studierter Betriebs- und Volkswirtschaftler! Seine vorausschauende Planung für das bevorstehende Jahr hat ihn detaillierte Regeln aufstellen lassen, um ohne Mietzahlungen wohnen zu können und weder Strom, noch Wasser bezahlen zu müssen. Ihm wurde bewusst, dass nicht einmal das Laufen umsonst ist, weil man dazu Schuhe benötigt. Und besonders schwer hat er sich mit der Entscheidung für oder gegen ein Mobiltelefon und Laptop getan.

Zur Finanzierung seiner ins Leben gerufenen Website Freeconomy Community hat Mark Boyle sein Hausboot verkauft. Er hat sich von seinem Bankkonto verabschiedet und sich in ein unbekanntes Abenteuer gestürzt. Gleich zu Beginn seines neuen Lebens ohne Geld macht er die Zeit als das höchste Gut aus. Denn alle Tätigkeiten dauern ohne die uns gewohnten Annehmlichkeiten um ein vielfaches länger! Dafür macht er interessante Erfahrungen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen und ist auch überrascht, was er beim Trampen erlebt. Immer wieder erstaunt es ihn, wie viele Lebensmittel auf dem Müll landen, die er dann aus den Müllcontainern holt. Bei Tauschaktionen entstehen tiefe Freundschaften, die ihm mehr Sicherheit geben als Geld. Nach Abschluss seines freiwilligen Jahres, bei dem er auf jeglichen Konsum verzichtet hat, gibt er ein Abschlussfest, bei dem fast 1000 Besucher beköstigt werden, ohne dafür auch nur einen Cent zu zahlen!

Mark Boyle kann gleich auf den ersten Seiten den Leser fesseln, indem er auf einfache, aber doch treffende Art und Weise über die Erfindung des Geldes schreibt. Unweigerlich ist das Thema Umweltschutz dominierend und er legt zur Vermeidung etwaiger Käufe einen erstaunlichen Erfindungsgeist an den Tag. Er will dem Leser auch einen Ofenbau nicht vorenthalten und liefert die Anleitung dazu gleich mit. Der Autor schreibt, wie man Seife selbst herstellen kann, aus Pilzen Papier und Tinte gemacht wird und gibt Tipps zum Verzicht auf Babywindeln und sogar Tampons und Binden. Als WC diente ihm ein Erdloch, wobei sich mancher Leser die Frage stellen wird, wie das bei Frost gegraben werden kann. Natürlich verbraucht so eine Komposttoilette kein wertvolles Wasser, aber wenn alle Bewohner einer Großstadt ein Erdloch aufsuchen wollten… Wie soll das funktionieren? Ungeachtet einiger Fragen, die den einen oder anderen Leser beschäftigen werden, steht aber die Suche nach dem Sinn des Lebens im Vordergrund. Mark Boyle sensibilisiert ohne anzuklagen auf spannende Weise für das Thema und hinterlässt einen nachdenklichen Leser. Er bemängelt die verloren gegangene Wertschätzung für die alltäglichen Dinge und Lebensmittel. Deshalb war er für ein Jahr Der Mann ohne Geld und hofft auf viele, die seinen Idealen folgen. Der erste Schritt dazu ist dieses Buch!

Mark Boyle, Der Mann ohne Geld, Goldmann Verlag 2012, Taschenbuch, 336 Seiten, ISBN 978-3-442-17244-3, Preis: 9,99 Euro.

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